30 Stunden sind genug…

Visionärer Traum, utopische Vorstellung oder doch bereits gelebter und innovativer Lösungsansatz?

 

Im Jahr 2018 bot der Firmenchef von emagnetix eine 30-Stundenwoche bei vollem Gehalt an. Anlassfall für diesen Paradigmenwechsel war eine Jobausschreibung, worauf sich kein einziger Interessent meldete. Mittlerweile ist das emagnetix-Team von 16 auf 30 Personen gewachsen und braucht sich um Interessenten für neu ausgeschriebenen Stellen keine Sorgen mehr machen. Die Mitarbeiter gaben bei einer Befragung bekannt, dass sie sich seit der Umstellung gesünder und motivierter fühlen und effizienter arbeiten.

 

Seit 2015 arbeitet auch der Mate-Teegetränke-Hersteller Makava in einer 30-Stundenwoche. Das Unternehmen Bike Citiziens, ein Spezialist für eine Fahrrad-App, hat schon 2014 auf eine 4-Tage-Woche umgestellt. Auch in der IT-Agentur von Lasse Rheingans gibt es ein alternatives Arbeitszeitmodell. Alle 17 Mitarbeiter gehen von 8 bis 13 Uhr konzentriert ihrer Arbeit nach. Keine Pausen, keine privaten Unterhaltungen, keine Ablenkungen durch Telefon oder lästige Mails. Durch die viel geringeren Ablenkungen und dem ruhigerem Arbeitsumfeld lässt sich der Großteil der Arbeit in wesentlich kürzerer Zeit erledigen und die Motivation der Mitarbeiter steigt, da sie bei vollem Gehalt bereits gegen 13 Uhr in den Feierabend dürfen. 

 

Mittlerweile gibt es eine Reihe von kleinen als auch großen Unternehmen, welche die Vorteile einer Reduktion der Arbeitszeit erkannt haben und das diese auch zunehmend notwendig wird, um heiß begehrte Fachkräfte für ein Unternehmen zu gewinnen. Diverse Studien belegen, dass eine Reduktion der Normalarbeitszeit sich sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer positiv auswirkenZum Beispiel kam die University of Melbourne bereits 2016 zum Ergebnis, dass die Aufnahme und Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer bereits nach 25 Stunden pro Woche deutlich sinkt.

 

Zusammenfassend wurden in den Studien folgende grundlegenden Erkenntnisse gewonnen:

 

* Die Mitarbeiter arbeiten konzentrierter, sind produktiver und lassen sich weniger ablenken
* Die Fehlerquote sinkt
* Burn-out und Bore-Out lassen sich eher vermeiden
* Die Mitarbeiter sind zufriedener und seltener krank
* Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird wesentlich erleichtert
* Die Fluktuation des Personals reduziert sich

 

Die 30-Stundenwoche ist nicht die einzige und sicherlich nicht für alle Bereiche der Wirtschaft die sinnvollste Variante, die derzeit üblichen starren Arbeitszeitmodell zu ersetzen. Teilweise würden durch eine Umstellung in Bereichen, die höhere Serviceverfügbarkeit oder mehr Arbeitsstunden am Stück abdecken müssen (Sozialberufe, Gesundheitsberufe, Einsatzorganisationen usw.) die Kosten steigen. Dennoch könnte auch hier eine Reduktion der Gesamtarbeitszeit mit mehr Personal und schlussendlich höheren Kosten umgesetzt werden. Speziell für große Unternehmen oder Konzerne, welche meist exorbitanten Gewinne erwirtschaften, ist auch das Gegenargument von höheren Kosten ziemlich schwach, wenn nicht sogar lächerlich.

Eine andere Alternative zu 30 Stunden bei vollem Gehalt ist eine Umstellung auf Teilzeit bei gleichzeitigem Gehaltsverlust. Es gibt Firmen, in denen die Mitarbeiter ihre Arbeitszeit individuell bis zu einer Höhe von maximal 75 % der Vollarbeitszeit wählen dürfen und für weniger Arbeit, dafür mehr Freizeit, die aliquoten Gehaltseinbußen in Kauf nehmen.

 

Anbei ein paar Beispiele von Firmen, die alternative Arbeitszeitmodelle leben:

 

https://www.emagnetix.at/

https://www.bikecitizens.net/de/

https://mediaevent.services/

https://www.tandemploy.com/de/

https://www.filimundus.com/

https://www.towerpaddleboards.com/

https://theatticism.com/

https://www.frische-fische.com/

 

und es werden immer mehr...

 


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